Montag, 20. Dezember 2010

Weihnachtsmarkt Michelstadt: Beschicker klagen über schlechten Standort


[Odenwald Echo] In den offiziellen Lobgesang auf den Michelstädter Weihnachtsmarkt möchte das Quintett der Marktbeschicker rund um den kleinen Louis-Dagand-Platz am Rosengässchen zwischen Neutorstraße und Großer Gasse auf keinen Fall einstimmen: »Wir fühlen uns von der Stadt missbraucht und verschaukelt«, brachte am Freitagabend Robert Both (Heiligenhaus/Nordrhein-Westfalen) als Wortführer seine und die Kritik der benachbarten Kollegen geharnischt auf den Punkt. »Wir waren davon ausgegangen, dass unsere Stände sich entlang eines offiziellen Rundwegs befinden.« Dafür sei jedem von ihnen bis zu 2000 Euro für Standgebühr, Müllentsorgung und Miete abgeknöpft worden: »Wir zahlen für die ertragreichen Stände mit.« Vertraglich seien zudem detaillierte Auflagen fixiert worden. Both: »Deshalb haben wir sogar eigens Holzschilder anfertigen lassen.« In der Frage der Positionierung der Stände dagegen seien die entsprechenden Verträge eher vage abgefasst gewesen. Als dann die aktuellen Standorte der fünf Stände spruchreif gewesen seien, habe sich dort Entsetzen breit gemacht: »In dieser wenig frequentierten Randlage war absolut kein Geld zu verdienen.« Bereits nach dem ersten Advent-Wochenende sei das Quintett angesichts der schwachen Erträge deshalb bei Heinz Seitz vorstellig geworden, in der Stadtverwaltung Leiter der Arbeitsgruppe Märkte. Nach einem Ortstermin,

 bei dem Seitz als Marktmeister den Betroffenen sein Einsehen und Mitgefühl über die wenig ertragreiche Lage ausgedrückt habe, sei umgehende Abhilfe versprochen worden: Eine zusätzliche Galerie von Weihnachtsbäumen und eine Lichterkette sollten Marktbesucher in das Rosengässchen locken. »Doch die Umsetzung war eher kümmerlich und ließ außerdem viel zu lang auf sich warten«, klagte Both. Danach seien die Ansprechpartner aber wie vom Erdboen verschwunden gewesen: »Es wirkte, als ob um uns ein großer Bogen gemacht würde.« In ihrer Not wandten sich die fünf Marktbeschicker deshalb direkt an Bürgermeister Stephan Kelbert. Dort sei ihnen ein Entgegenkommen bekräftigt worden, das zuvor bereits Seitz zur Sprache gebracht habe: Rabatt oder gar gänzlicher Ersatz der Gebühren. Am Mittwochabend machten sich dann Bürgermeister, Marktmeister sowie Magistratsvertreter und etliche Stadtverordnete vor Ort ein Bild unserer miserablen Lage. Doch anstatt die versprochene Unterstützung in Taten münden zu lassen, sei diese Gesellschaft am Donnerstagabend zur Weihnachtsfeier in einem örtlichen Gasthaus abgetaucht. Deshalb, so Robert Both, sei inzwischen auch Landrat Dietrich Kübler über die misslichen Zustände informiert worden. Die enttäuschten Marktbeschicker sprechen von »Abzockermentalität der Stadt«. Somit drohe der Michelstädter Weihnachtsmarkt sich in Kreisen der Beschicker keinen besonders guten Ruf einzuhandeln.Dass der Louis-Dagand-Platz in seiner Weihnachtsmarkt-Gestaltung 2010 ein eher problematischer Standort für die Beschicker war, dies sieht auch Bürgermeister Kelbert ein. »Die Leute sind dort im Grunde nur vorbeigeströmt - vielleicht auch, weil da kein Glühweinstand oder ähnliches zum Verweilen einlud«, äußerte Kelbert auf ECHO-Anfrage teilweise Verständnis für die Klagen. Es handele sich um einen schwierigen Platz, »für den wir uns für 2011 etwas überlegen müssen«. Inwiefern die Kommune den enttäuschten Beschickern entgegen kommen könne, dies müsse im Januar vom Magistrat geprüft werden. Den Vorwurf der Abzocke weist der Bürgermeister indes scharf zurück. Und für den Großteil der Standbetreiber gelte der Michelstädter Weihnachtsmarkt weiterhin als Top-Markt

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