Montag, 3. Januar 2011

IHK: Erwartungen der Odenwälder Wirtschaft zur Kommunalwahl 2011

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Erbach und Michelstadt
Die Wirtschaft nimmt mit Zustimmung zur Kenntnis, dass die Städte Erbach und Michelstadt sich bemühen, auf Verwaltungsebene die Zusammenarbeit trotz gescheiterter Fusion voran zu bringen. Wir fragen allerdings, ob sich beide Kommunen ein Freibad leisten müssen, das die städtischen Haushalte jeweils mehr als 300.000 € Zuschuss kostet.
Ortsumgehung Erbach
Die Ortsumgehung Erbach der B 45 ist ad acta gelegt. Es mag stimmen, dass die der Planung zu Grunde gelegten Verkehrsmengen veraltet waren. Eigentlich hätte dies aber Anlass sein müssen, aktuelle Zahlen zu erheben und nicht die ganze Planung über Bord zu werfen, denn das Verkehrsaufkommen durch Erbach und weiter Richtung Neckartal ist beträchtlich. Geradezu absurd mutet es deshalb an, nun Überlegungen zu verfolgen, die Bundestrasse „zurückzubauen“. Vom Bund ist dafür sicher kein Geld zu erwarten und die Städte haben Wichtiges zu finanzieren, zum Beispiel eine Haushaltskonsolidierung.
Wirtschaftsförderungsförderung des Kreises
Eine Baustelle ist die Wirtschaftsförderungsförderung des Kreises. Derzeit sind Standortwerbung und Standortplanung zwischen OREG und Kreisverwaltung aufgeteilt; eine wirksame Wirtschaftsförderung betreibt aber beides, wie das Beispiel des Kreises Bergstraße zeigt. Ein besonderes Augenmerk gilt immer der Standortpflege. Um junge Fachkräfte im Odenwald zu halten, müssen aber auch neue Unternehmen angesiedelt werden. Bisher sind diese Versuche von wenig Erfolg gekrönt gewesen, selbst gut erschlossene Gewerbefläche bleibt ungenutzt. Warum nicht einmal einen ungewöhnlichen Schritt gehen und in kommunalem Besitz befindliche Gewerbefläche an Unternehmen ausgewählter Branchen in Erbpacht "verschenken"?
Energieautarkie
100 Prozent aus regenerativen Energien will der Odenwaldkreis...
künftig seinen Energiebedarf decken und so energieautark werden. Als Träger stehen Biomasse, Wind und Sonne zur Verfügung - theoretisch. Um aus Wind und Sonne 100% Leistung zu erzielen, braucht man in großräumigem (nationalem) Maßstab derzeit rund 300% Kapazität, die sich vielleicht in den nächsten Jahren auf 200% senken lässt. Bezahlt werden muss die ganze Kapazität über die abgenommene Leistung. Der Widerstand gegen Windkraftanlagen ist immer noch erheblich, wenn auch nicht mehr offizielle Kreispolitik. Derzeitiges weiteres Problem: Die Leistung aus Wind wird überwiegend in Norden (Nordsee) erzeugt, es gibt aber keine Leitungen, um sie zu den Hauptverbrauchern im Westen und Süden zu transportieren. Der Ausbaugrad für die zusätzlichen Hochspannungsleitungen (oberirdisch) beträgt zurzeit 10%. In kleinräumigem Maßstab (Odenwaldkreis) ist eine tägliche Bereitstellung von 100% Leistung aus Wind und Sonne überhaupt nicht möglich. Auch ist der Odenwaldkreis nicht das Burgenland, das zur pannonischen Klimazone gehört, in der die Sonnenscheindauer jährlich um bis zu 20% höher ist. Biomasse kann nur einen kleinen Betrag zur Leistung betragen, da sie landwirtschaftliche Flächen verbraucht, die dann für andere Zwecke (Nahrungsmittelerzeugung) nicht zur Verfügung stehen.
Energieerzeugung keine Daseinsvorsorge
Eine Absage erteilen wir allen Versuchen, Energierzeugung als Instrument der Einnahmeerzielung für klamme kommunale Haushalte zu vereinnahmen. Der Energiemarkt ist ein - wenn auch unvollkommener - Wettbewerbsmarkt und hat nichts mit Daseinsvorsorge als kommunaler Aufgabe zu tun. Wäre das so - was gehörte dann nicht alles noch zur Daseinsvorsorge?
Tourismus auf dem richtigen Weg, aber noch nicht am Ziel
 Tourismus ist eine der Zukunftsbranchen des Odenwaldkreises und mit der Tourismus GmbH sind auch die richtigen Weichen gestellt worden. Die Aktivitäten zur Entwicklung und Vermarktung der Destination Odenwald ungeachtet administrativer Grenzen sind ein wichtiger Schritt und sollten auf Grundlage der verabschiedeten Vermarktungs- und Organisationsstrategie vorangetrieben werden. Die Kooperation mit dem Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald (zuständig für die Entwicklung der Infrastruktur), der Tourismusgemeinschaft Odenwald (Organisation der baden-würtemberger Odenwald-Kommunen) und der Tourismus Kreis Bergstraße GmbH sind verbesserungswürdig. Kooperationen sind die Grundvoraussetzung für eine effiziente Umsetzung Strategie.
Odenwaldtherme
 Ein Fass ohne Boden ist die Odenwaldtherme in Bad König. Wie lange kann es sich die Stadt noch leisten, jährlich mehrere 100.000 € als Zuschuss zu geben, zumal auch noch ein Freibad unterhalten wird. Dringend erforderlich ist ein Nutzungskonzept in Zusammenarbeit mit der Tourismus GmbH für die Erschließung neuer Kundenkreise, dass den veränderten touristischen Gegebenheiten gerecht wird.

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