Donnerstag, 10. Mai 2012

Ein Festival da wo alle nur Bauern und Deppen erwarten...

Die Rhein-Neckar-Zeitung im Web - RNZ-Zeitjung:

"Ein Festival ist nie eine Goldgrube, sondern harte Arbeit"

Von Sören Sgries
So idyllisch sind wenige Festivals: Blick auf des Gelände des ''Sound of the Forest''. Foto: SotF

Foto: SotF / www.deppendorf.de

Der Sommer kommt und damit beginnt endlich die Festivalsaison. Den Startschuss in der Region gibt das "Maifeld Derby" am 18. und 19. Mai im MVV Reitstadion auf dem Mannheimer Maimarkt-Gelände. Auch beschließen kann man die Festivalsaison in der Region: Am Marbach-Stausee im Odenwald gibt es Mitte August zum vierten Mal das "Sound of the Forest".


Wir wollten wissen: Wie viel Arbeit steckt hinter so einem Festival? Timo Kumpf, der zum zweiten Mal das "Maifeld Derby" auf die Beine gestellt hat, und Rekha Ober vom "Sound of the Forest"-Team erzählen.
Wie kommt man auf die Idee, ein eigenes Festival auf die Beine zu stellen? Sagt man: Ich mag Musik, ich mag Festivals, ich will mein eigenes Festival! - Und los geht's?
Timo: Ja, so ungefähr war es beim Maifeld Derby. Der Wunsch meinerseits bestand schon seit zehn Jahren. Jetzt war die Zeit da, es waren die Kontakte da, es war die Unterstützung der Stadt Mannheim da - und dann passte alles.
Rekha: Bei uns war es ähnlich. Wir wollten ein Musikfestival mitten im Odenwald auf die Beine stellen, dort wo wir herkommen, für die Bands von hier. Wir wollten beweisen: Da wo alle nur Bauern und Deppen erwarten,...
kann man auch was machen, was richtig cool ist.
Aber ihr seid ja nicht nur bei den Bands aus der Region geblieben.
Rekha: Nein, vom ersten Jahr an waren auch externe Bands dabei wie Bonaparte oder Friska Viljor. Wir verbinden Heimat und Tradition mit Weltoffenheit.
Timo, was reizte dich am eigenen Festival?
Timo: Ich hatte den Wunsch, Erfahrungen und Erlebnisse, die ich selbst auf Festivals gemacht habe, in eine eigene Veranstaltung zu packen.
Die Planung ist ja ein unglaublicher Zeitaufwand. Lohnt sich das?


Timo: Nein, eigentlich nicht. So ein Festival ist auf jeden Fall keine wirtschaftliche Unternehmung, die sich rentiert. Zeitaufwand, Risiko, möglicher Verdienst - das steht einfach in keinem Verhältnis. Das erste Maifeld Derby habe ich zwei Jahre lang geplant. Allein die Suche nach einem Ausstatter, der mir die Technik bereit stellt, die Suche nach einer Brauerei, nach einem Security-Team: Das braucht unglaublich viel Zeit.


Rekha: Ein Festival ist nie eine Goldgrube. Es ist in erster Linie eine Herzensangelegenheit, die leider nicht einfach eine geile Party auf einer Wiese am See ist, sondern richtig harte Arbeit.
Mal eben so geht's also nicht?
Timo: Man braucht viel Aufbauarbeit. Ich habe zehn Jahre lang Festivals besucht, bespielt, habe eine Agentur betrieben. Ich kenne Bands, Agenturen, Cateringfirmen, Tonleute - alle! Ohne diese Vorkenntnisse und die Kontakte so etwas zu starten, ist eigentlich unmöglich. Da muss man schon mit Erfahrung rangehen.
Beide Festivals scheinen aber zu funktionieren. "Sound of the Forest" geht ins vierte Jahr, ist damit etabliert, und auch das Maifeld Derby gibt es jetzt schon das zweite Mal.
Timo: Ja, das letzte Jahr war sehr erfolgreich. Trotzdem braucht das Festival Zeit, um sich weiter zu entwickeln. Wir setzen ja nicht auf Effekthascherei und wollen möglichst schnell möglichst viele Leute auf das Gelände bringen, sondern es soll sich entwickeln.
Helfen der Erfolg und die Erfahrung aus den ersten Jahren heute?
Timo: Das ist unterschiedlich. Das erste Jahr wurde man ins Wasser geschubst, jetzt müssen wir auch schwimmen lernen. Einige Sachen liefen einfacher, anderes war deutlich schwieriger.
Was war schwieriger?
Timo: Zum Beispiel die Headliner-Suche. Im letzten Jahr hatten wir mit unseren eigenen Bands, mit Wallis Bird und Get Well Soon, schon relativ früh zwei Zugpferde im Boot. Dieses Jahr hat sich das alles gezogen. Unseren ersten Headliner, Friska Viljor, hatten wir erst im Februar. Da stand im Vorjahr schon alles.
Rekha: Wir haben das auch so erlebt. Mit Kontakten wird vieles leichter, weil man die Leute kennt und das Festival einen Namen hat. "Sound of the Forest" hat sich rumgesprochen. Andererseits ist das Festival größer - und die Bands erwarten auch mehr Geld.
Wo du gerade die Bands ansprichst: Als Anfänger denkt man: Geil, mein Festival. Ich hol nur die Bands, auf die ich Bock habe. So einfach ist es nicht, oder?
Timo: Nö, es ist viel schwieriger, als sich ein Mixtape zusammenzustellen. Definitiv. Viel hängt ab von persönlichen Kontakten - sonst bekommst du mit einem kleinen Festival auch mal gar keine Antwort auf eine Booking-Anfrage. Bei internationalen Bands bist du auch abhängig von deren Tourplänen, damit die hier unterwegs sind.
Wie viel Gespür ist von eurer Seite aus gefragt, damit ihr die Bands erkennt, die vielleicht kurz darauf ganz groß sind?
Timo: Ich habe durch diese ganze Planung das erste Mal seit den 90ern wieder das Gefühl, am Puls der Zeit zu sein. Ich war zum Beispiel früh an Gotye dran, richtig früh. Dann hat es doch nicht geklappt. Aber der Fokus bei uns liegt doch eher auf Liebhabersachen, die sicherlich nie die Charts stürmen werden. Andererseits: Katzenkammer hatte letztes Jahr auch niemand auf dem Schirm. Heute laufen sie im Radio rauf und runter. Aber es ist kein Ziel, die nächste Nummer 1 hier zu haben.
Rekha, setzt ihr auf Stars?
Rekha: Wir hatten im ersten Jahr Bonaparte hier - hinterher wurden die richtig berühmt. Kitty, Daisy & Lewis waren da, Kakkmaddafakka. Auch dieses Jahr haben wir mit Boy und Max Prosa richtig starke Headliner. Es ist unser Anspruch, ein kleines, aber hochkarätiges Festival auf die Beine stellen. Im besten Fall kommen dann auch bekannte Bands hierher, die die Atmosphäre im Odenwald einfach zu schätzen wissen und gern vor kleinerem Publikum spielen.
Timo: Man muss auch immer eine Mischung finden aus persönlichem Geschmack - man will dem Festival ja auch seine Handschrift verpassen - und dem, was die Leute wollen. Das "Maifeld Derby" soll schon ein Entdeckerfestival sein, wo man viele neue Bands entdecken kann. Aber ein Festival ist ja nicht nur verkopft, sondern es soll auch partylastige Headliner geben.
Was ist der Super-Gau?
Rekha: Wir sind im letzten Jahr haarscharf an unserem Super-Gau vorbei geschrammt. Im ganzen Odenwald gab es Unwetter - nur am Marbach Stausee nicht. Extreme Trockenheit mit Waldbrandgefahr ist auch gefährlich, da gibt es entsprechende Auflagen. Aber die Natur gehört zum "Sound of the Forest" eben dazu.
Timo: Prinzipiell fürchten wir natürlich auch das Wetter, wobei wir dadurch, dass von vier Bühnen drei überdacht sind, halbwegs save sind. Letztes Jahr gab es einen kleinen Sturm, aber das Zelt ist bombensicher.

Festivaltipps

Das Jahr ist lang, da dürfen es ruhig ein paar Festivals mehr sein.
Beim Himmelfahrtfestival am 7. Juni in Heilbronn kommen einige Bands der christlichen Musikszene zusammen. Tickets gibts für 36 Euro.
Beim Metalfest in Dessau geht es vom 31. Mai bis 2. Juni richtig hart zur Sache. Mit dabei: In Extremo, Megadeth und Fear Factory. Der derbe Spaß kostet 74 Euro.
Umsonst & Draußen mit Max Prosa, Cäthe und Monsters of Liedermaching. Am: 21. bis 24. Juni. In: Würzburg. Für: Umsonst.
Southside/Hurricane mit Die Ärzte, The Cure, Madsen, Bonaparte. Am: 22. bis 24. Juni. In: Neuhausen ob Eck. Für: 141 Euro.
Summerjam mit Irie Révoltés, Sean Paul, Max Herre & Freunde. Am: 6. bis 8. Juli. In: Köln. Für: 99 Euro.
Trebur Open Air mit Puddle of Mudd, Eskimo Callboy, Frittenbude und H-Blockx. Am: 3. bis 5. August. In: Trebur bei Rüsselsheim. Für: 42 Euro.

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

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